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Ping Su führt Berner in die Kunst der Kalligrafie ein
von Annina Hasler, Berner Zeitung BZ 23. März 2011

Die Chinesin Ping Su bietet in Bern Kurse in chinesischer Kalligrafie an. Wer ihren Unterricht besucht, lernt nicht nur die Schreibkunst mit Pinsel und Tusche, sondern auch einiges über die chinesische Kultur.


Foto Beat Mathys BZ -


Ping Su (48) ist eine quirlige Frau, die oft und von Herzen lacht, mit grossen Gesten spricht und ständig aufspringt, um neuen Grüntee zu holen. Trotz ihrer wirbligen Art: Hält sie einen Pinsel, so führt sie diesen mit vollkommen ruhiger Hand über das Blatt und malt exakte Linien. Die chinesischen Kalligrafien, die entstehen, sehen aus, als hätte der Computer sie gedruckt. Ping Su unterrichtet seit kurzem in der Berner Aarbergergasse Kalligrafie, wie die Kunst des Schönschreibens bezeichnet wird. Mit einem Pinsel aus Tierhaaren und mit schwarzer Tinte werden die chinesischen Schriftzeichen auf hauchdünnes Papier gemalt. Der Pinsel wird nicht wie ein Stift in der Hand gehalten, sondern senkrecht zum Blatt. Für das normale Auge sind die Nuancen zwischen den einzelnen Linien oder Punkten schwer zu erkennen. Eine Horizontale, deren unteres Ende etwas dicker ist, kann dem ganzen Zeichen sogleich eine andere Bedeutung einverleiben, erzählt Ping Su.

5000-jährige Geschichte
Erlernt hat die Chinesin die Schreibkunst in ihrer Heimatstadt Peking. «Für meine Generation war der Kalligrafie-Unterricht in der Grundschule obligatorisch», erzählt sie. Ping Su mochte das Schönschreiben. So besuchte sie zusätzlich mit 12 Jahren eine Kunstschule, wo sie ihre Malfertigkeit weiter entwickelte.
Es sei gar nicht so einfach, die chinesische Kalligrafie zu erklären, sagt Ping Su – zumal mehrere Schriften existieren würden. Die Ursprünge der Schreibkunst liegen 5000 Jahre zurück. Heute wird in China mit der sogenannten Regelschrift geschrieben. Kalligrafie hängt sehr eng mit der chinesischen Malkunst zusammen. «In beiden Kunstarten verwendet der Künstler die vier gleichen Werkzeuge: den Schreibpinsel, die Stangentusche, den Reibstein und das Papier. Man nennt die vier Utensilien die Schätze des Gelehrtenzimmers», erklärt Ping Su. Heute werde allerdings meist mit normaler schwarzer Tinte gemalt. Diese wird mit Wasser auf einem Stein vermischt.

Interesse ist vorhanden
Nach dem Studium unterrichtete Ping Su viele Jahre Sprachen in Peking. Vor fünf Jahren zog sie mit ihrem Schweizer Ehemann und ihrem Sohn nach Bern. Hier unterrichtet sie seither Chinesisch auf allen Stufen. «Ich bin immer wieder erstaunt, wie gross das Interesse der jungen Schweizerinnen und Schweizer an fremden Sprachen und Kulturen ist.» Einer ihrer Schüler fragte die Sprachdozentin, ob sie jemanden kenne, der chinesische Kalligrafie unterrichte. Ping Su beschloss, dem Mann die Schreibkunst gleich selber beizubringen.

Grundkenntnisse helfen
Noch hat die Chinesin erst eine Handvoll Kalligrafieschüler, die einmal in der Woche Pinsel und Tinte zur Hand nehmen. Sie alle verfügen bereits über Grundkenntnisse in der chinesischen Sprache. «Es hilft sicher, wenn die Schüler verstehen, was sie malen», sagt Ping Su. Und so gleitet sie in ihren Erklärungen hin und her zwischen Deutsch und Chinesisch. Anna Henzi, Medizinstudentin, und Marcel Burri, Pensionär, lernen an diesem Morgen das kalligrafische Zeichen für Gelassenheit. «Wortwörtlich bedeutet es auf Deutsch ‹Das Herz bleibt wie stilles Wasser› erklärt Ping Su. Viele der Zeichen enthalten in ihrem Erscheinungsbild bereits Teile ihrer Bedeutung, was ihre Lesart etwas einfacher macht. So sind beispielsweise wellenförmige Linien Teil des Zeichens für Wasser.

Der Kalligrafiekurs bei Ping Su kostet 50 Franken pro 90 Minuten. Alle Informationen unter www.chinesecommunication.ch.

www.chinesecommunication.ch | www.chinesischunterricht.ch | www.chinesisch-unterricht.ch | www.chinesischunterricht.com | www.chinesisch-sprachschule.ch | www.chinesisch-lernen.info


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